Ein anfangs kaum auffälliger Knoten in der Handinnenfläche, der mit den Jahren wächst — und irgendwann zieht sich der Ringfinger oder kleine Finger zur Handfläche, lässt sich nicht mehr vollständig strecken. Diese typische Beugekontraktur ist das charakteristische Bild von Morbus Dupuytren, einer gutartigen, aber fortschreitenden Bindegewebserkrankung der Hand.

In Deutschland sind rund 1,9 Millionen Menschen betroffen. Männer erkranken etwa fünfmal häufiger als Frauen, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 50 und 70 Jahren. Eine ursächliche Heilung gibt es nicht — aber ausgezeichnete Behandlungsverfahren, die die Hand wieder funktionsfähig machen.

In unserer Praxis für Handchirurgie bieten wir das gesamte Therapie-Spektrum an: von der Beobachtung im Frühstadium über die Nadelfasziotomie bis zur klassischen offenen Operation.

Was ist Morbus Dupuytren?

Bei Morbus Dupuytren kommt es zu einer krankhaften Wucherung des Bindegewebes in der Handinnenfläche — der sogenannten Palmaraponeurose. Das Bindegewebe verdickt sich, bildet Knoten und später Stränge, die sich zusammenziehen und die Finger in eine Beugefehlstellung zwingen.

Die Krankheit hat eine deutliche genetische Komponente — sie tritt familiär gehäuft auf. Begleitende Risikofaktoren:

  • Alter über 50 Jahre
  • Männliches Geschlecht
  • Diabetes mellitus
  • Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Vorausgegangene Handverletzungen
  • Hereditäre Belastung — Verwandte ersten Grades

Stadien — wie die Krankheit verläuft

Stadium I (Frühstadium)

Tastbare Knoten und Strangbildung in der Handinnenfläche, noch keine Beugekontraktur. Die Hand lässt sich vollständig strecken.

Stadium II

Erste Beugekontraktur, der Finger lässt sich nicht mehr ganz strecken. Streckdefizit bis ca. 45 Grad. Tisch-Test wird positiv — die Hand liegt nicht mehr flach auf einer Tischplatte.

Stadium III

Streckdefizit 45 bis 90 Grad. Alltagsfunktion deutlich eingeschränkt — Händewaschen, Tasche tragen, in die Hosentasche greifen werden schwierig.

Stadium IV

Streckdefizit über 90 Grad. Finger fast vollständig in die Handfläche eingezogen. Funktion stark beeinträchtigt.

Diagnose in unserer Praxis

  1. Anamnese mit Familiengeschichte und Verlauf
  2. Klinische Untersuchung: Tasten der Knoten und Stränge
  3. Tisch-Test (Hueston-Test) — beweisend für relevante Kontraktur
  4. Streckdefizit-Messung mit dem Goniometer
  5. Fotodokumentation des Verlaufs

Eine apparative Bildgebung ist meist nicht erforderlich — die Diagnose ist eine klinische.

Wann ist eine Behandlung sinnvoll?

Reine Knoten ohne Kontraktur müssen nicht behandelt werden — wir empfehlen Beobachtung. Eine Therapie ist sinnvoll bei:

  • Positivem Tisch-Test (Hand liegt nicht mehr flach)
  • Streckdefizit ab ca. 20–30 Grad am Mittelgelenk
  • Funktioneller Einschränkung im Alltag oder Beruf
  • Schmerzhaften Knoten
  • Raschem Fortschreiten der Kontraktur

Behandlungsverfahren

Nadelfasziotomie (PNF)

Minimal-invasive Methode unter Lokalanästhesie. Der Strang wird mit einer feinen Nadel mehrfach durchtrennt, dann gestreckt. Vorteile: keine OP-Wunde, schnelle Rückkehr in den Alltag (oft am nächsten Tag), kostengünstig. Nachteil: höhere Rückfallrate.

Offene Operation (partielle Fasziektomie)

Klassische Operation in Plexusanästhesie oder Vollnarkose. Das erkrankte Bindegewebe wird sorgfältig entfernt. Bewährter Goldstandard mit dauerhafter Beseitigung der Strangbildung. Nachteil: längere Reha (2–4 Wochen).

Radikale Fasziektomie

Bei sehr aggressivem Verlauf und Rezidiven — kompletteste Entfernung des betroffenen Bindegewebes. Komplexere OP.

Nachbehandlung und Reha

  • Nachtschiene für 3–6 Monate zur Erhaltung der erreichten Streckung
  • Ergotherapie — Mobilisation und Narbenbehandlung
  • Volle Belastung bei der offenen OP nach 4–6 Wochen, bei der Nadelfasziotomie oft sofort
  • Komplette Funktionsverbesserung über bis zu 3 Monate

Rezidive — wie häufig kommt es zurück?

Morbus Dupuytren ist eine chronische Erkrankung. Rückfälle (Rezidive) sind möglich:

  • Nadelfasziotomie: Rezidivrate 40–60 % über 3–5 Jahre
  • Offene Fasziektomie: Rezidivrate ca. 20–30 % über 5 Jahre
  • Bei aggressivem Verlauf (jung erkrankt, beidseitig, Fußsohlenbeteiligung): höhere Rezidivrate

Wichtig zu wissen: Auch Rezidive sind in der Regel gut behandelbar — manche Patientinnen und Patienten profitieren wiederholt von minimal-invasiven Eingriffen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Ursache von Morbus Dupuytren?

Eine genetische Veranlagung kombiniert mit Faktoren wie Alter, männlichem Geschlecht, Diabetes, Alkohol- und Tabakkonsum. Eine konkrete einzelne Ursache gibt es nicht.

Geht Morbus Dupuytren von alleine weg?

Nein. Die Erkrankung verläuft chronisch und neigt zur Progression. Allerdings kann das Fortschreiten sehr unterschiedlich schnell sein — bei manchen Betroffenen über Jahrzehnte hinweg langsam, bei anderen rascher.

Welche OP-Methode ist die beste bei Dupuytren?

Es gibt keinen einzelnen „besten“ Eingriff. Die Nadelfasziotomie ist gut für ältere Patientinnen und Patienten mit moderater Kontraktur und Wunsch nach schneller Erholung. Die offene Operation ist der Goldstandard bei jüngeren, aktiven Betroffenen mit ausgeprägter Strangbildung.

Kann Dupuytren nach OP wiederkommen?

Ja, Rezidive sind häufig — abhängig vom Verfahren in 20–60 % der Fälle innerhalb von 5 Jahren. Auch Rezidive sind aber meist gut behandelbar.

Hilft eine Schiene gegen Dupuytren?

Eine Schiene allein kann eine bestehende Kontraktur nicht zurückbilden. Nach einer Operation oder Nadelfasziotomie ist eine Nachtschiene aber wertvoll, um das erreichte Streckergebnis zu halten.

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