Der Tennisarm zählt zu den häufigsten Überlastungsbeschwerden am Bewegungsapparat — und das, obwohl er bei den meisten Betroffenen nichts mit Tennis zu tun hat. Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens beim Händedruck, beim Tassenheben oder beim Arbeiten mit Maus und Tastatur sind die typischen Beschwerden. Etwa 1 bis 3 % der Menschen sind im Laufe ihres Lebens betroffen, der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen 35 und 55 Jahren.
Die gute Nachricht: Über 90 % aller Tennisarm-Beschwerden lassen sich heute ohne Operation behandeln — vorausgesetzt, die Therapie startet früh, ist evidenzbasiert und kombiniert mehrere Bausteine. Die weniger gute: Viele Patientinnen und Patienten verlieren Monate, weil sie zuerst auf Salben und Schonung setzen, bis sich der Tennisarm chronifiziert hat.
Als Spezialisten für Handchirurgie in Düsseldorf behandeln wir den Tennisarm regelnäßig. In diesem Beitrag erklären wir, wie wir die Diagnose stellen, welche moderne konservative Verfahren wir einsetzen und wann eine Operation wirklich sinnvoll ist.
Was ist ein Tennisarm — und wer ist betroffen?
Medizinisch korrekt sprechen wir von einer Epicondylopathie oder Epicondylitis lateralis humeri — einer schmerzhaften Reizung der gemeinsamen Strecksehne am äußeren Knochenvorsprung des Oberarmknochens. Anders als der Name suggeriert, handelt es sich heute nicht mehr um eine klassische Entzündung, sondern um einen Mikro-Umbau des Sehnengewebes.
- Bürotätigkeit mit häufiger Maus- und Tastatur-Nutzung
- Handwerk und Schraubarbeiten
- Musikinstrumente (Geige, Klavier)
- Schlägersport — Tennis, Squash, Padel
- Klettern und Krafttraining mit hoher Griffbelastung
Symptome — typische Warnzeichen
- Punktgenauer Druckschmerz an der Außenseite des Ellenbogens
- Schmerz beim Händedruck oder beim Heben einer Tasse
- Schwäche beim Greifen — die Tasse fühlt sich plötzlich „zu schwer“ an
- Schmerz, der nach Belastung beginnt und sich immer früher in der Bewegung zeigt
- Im chronischen Stadium: ständiger dumpfer Schmerz, auch in Ruhe
Diagnose in unserer Praxis in Düsseldorf
- Anamnese mit Belastungsprofil — Beruf, Sport, Hobbys
- Klinische Funktionstests: Cozen-Test, Mill-Test, Maudsley-Test
- Druckschmerzauslösung an der typischen Stelle
- Hochauflösender Ultraschall — Sehnenstruktur, Neovaskularisation, Verkalkungen
- Ausschlussdiagnostik: Halswirbelsäule, Nervus radialis, Bizepssehne
- In chronischen Fällen MRT zur genauen Strukturbeurteilung
Die Differenzialdiagnose ist wichtig — ein „Tennisarm-Schmerz“ kann auch von der Halswirbelsäule oder einem Nerveneinklemmungssyndrom ausgehen und braucht dann eine andere Therapie.
Konservative Behandlung — moderne Optionen
Wir setzen auf einen mehrstufigen, evidenzbasierten Ansatz statt auf einzelne Spritzen oder reine Schonung:
- Belastungsmodifikation — gezielt auslösende Bewegungen reduzieren, aber nicht komplett ruhigstellen
- Exzentrisches Training — langsam bremsende Übungen für die Streckermuskulatur, mehrfach täglich
- Fokussierte Stoßwellentherapie — mehrfach in Studien belegt, Erfolgsraten 65–75 %
- Eigenplasma-Therapie (ACP/PRP) — bei therapieresistenten chronischen Verläufen ergänzend
- Manuelle Therapie — oft auch an Halswirbelsäule und Schulter wirksam
- Epicondylitis-Spange — als Kurzzeit-Hilfe bei Alltagsbelastung, nicht als Dauerlösung
- Cortison — nur sehr selektiv: kurzfristig wirksam, mittel- und langfristig oft nachteilig
Eine 8- bis 12-wöchige strukturierte Therapie führt bei rund 90 % der Patientinnen und Patienten zu deutlicher Beschwerdebesserung.
Wann ist eine Operation am Tennisarm sinnvoll?
Eine OP kommt erst nach mindestens 6 Monaten erfolgloser konsequenter konservativer Therapie infrage. Wir bieten in unserer Praxis verschiedene Verfahren an:
- Offene Sehnenrevision nach Hohmann oder Wilhelm — bewährter Standard
- Arthroskopische Revision mit gezieltem Debridement
- Selektive Denervation bei chronischer Neuropathie-Beteiligung
Die Erfolgsrate liegt bei rund 80 %. Die Rückkehr in den vollen Sport benötigt 3 bis 6 Monate.
Übungen für die Heilung — drei Bausteine
Diese drei Übungen sind Teil unseres Reha-Protokolls. Bitte erst nach ärztlicher Abklärung beginnen:
- Exzentrische Handgelenk-Extension mit Hantel (1 kg): Hand mit Hantel auf Tischkante, Handfläche nach unten. Mit der anderen Hand zur Streckung helfen, dann mit der betroffenen Seite langsam (3 Sekunden) in die Beugung absenken. 3 × 15, zweimal täglich.
- Tyler Twist mit flexiblem Gummi-Stab (FlexBar): bewährter Klassiker, 3 × 15, zweimal täglich.
- Mobilisation der Halswirbelsäule und Schulter: 5 Minuten täglich Schulterkreisen, Brustwirbelsäulen-Rotation, Nackendehnung.
Prävention — so verhindern Sie den Tennisarm
- Belastung schrittweise steigern, neue Tätigkeiten langsam einführen
- Ergonomischen Arbeitsplatz prüfen (Schreibtischhöhe, Maus, Tastatur)
- Beim Sport Technik kontrollieren lassen (Tennis-Schläger und Bespannung)
- Regelmäßiges Krafttraining der Unterarmmuskulatur
- Bei ersten Warnzeichen: 2 Wochen Belastung reduzieren und beobachten
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert ein Tennisarm?
Mit gezielter Therapie 6 bis 12 Wochen bis zur deutlichen Besserung. Ohne aktive Behandlung kann sich der Verlauf über 12 bis 24 Monate ziehen.
Hilft eine Cortison-Spritze beim Tennisarm?
Kurzfristig oft ja — in den ersten 2 bis 4 Wochen. Mittel- und langfristig zeigen Studien jedoch, dass Cortison schlechtere Ergebnisse bringt als gar keine Behandlung oder konservatives Training. Wir setzen es nur sehr selektiv ein.
Welcher Arzt behandelt den Tennisarm?
Erste Anlaufstelle ist Ihr Hausarzt. Bei länger als 4 Wochen anhaltenden Beschwerden ist eine fachärztliche Untersuchung beim Orthopäden, Handchirurgen oder Sportmediziner sinnvoll — sie verfügen über die nötigen Diagnose- und Therapieverfahren wie Ultraschall, Stoßwellentherapie und Eigenblutplasma-Therapie.
Welche Übungen helfen wirklich beim Tennisarm?
Wissenschaftlich am besten belegt ist das exzentrische Training mit Hantel oder FlexBar. Tägliche Wiederholungen über mindestens 6 bis 8 Wochen sind nötig, um den Sehnen-Umbau wirksam zu unterstützen.
Wann sollte ein Tennisarm operiert werden?
Erst nach mindestens 6 Monaten konsequenter konservativer Therapie und bei weiterhin relevanten Beschwerden. Bei Sehnenrissen oder strukturell stark veränderter Sehne kann die OP früher sinnvoll sein.
Termin in der OCS Düsseldorf vereinbaren
Sie haben seit Wochen Schmerzen am Ellenbogen, die Salben und Schonung nicht beheben konnten? Lassen Sie den Tennisarm fachärztlich abklären — je früher die richtige Therapie startet, desto kürzer der Verlauf. Vereinbaren Sie unkompliziert online einen Termin in der OCS Düsseldorf — wir untersuchen Sie klinisch und per Ultraschall und stellen mit Ihnen einen individuellen Therapieplan auf.
